Planerwahlverfahren, Projekt und Realisierung, inkl. Termin- und Kostenkontrolle, 2024 / 2025

Ersatzneubau & Sanierung Schulhäuser, Neubau Kindergarten, Wolfwil

Fotografie: Matthias Schneider / coora

Die Primarschule Wolfwil ist in den letzten Jahren bezüglich Anzahl Schüler und Klassen herangewachsen. Das bestehende Schulraumangebot wurde knapp und entsprach nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Mit dem Wegzug der Kreisschule im Jahr 2023 bot sich die Möglichkeit, den Zyklus 1 und 2 mit Kindergarten und Primarschule neu zu organisieren. Als Grundlage wurde eine übergeordnete Planung über alle Standorte erstellt, diese bildete die Basis für die weitere Umsetzung. Die einzelnen Nutzungen wurden für jedes Gebäude definiert und in einem Raumprogramm festgehalten. Die Ausführung erfolgte etappiert, so dass ein geordneter Schulbetrieb innerhalb der vorhandenen Infrastruktur möglich blieb. Für sämtliche Teilprojekte wurden die Planungsarbeiten über eine Präqualifikation öffentlich oder im Einladungsverfahren ausgeschrieben. Die ersten Planungsarbeiten starteten 2022, die Inbetriebnahmen erfolgten in den Jahren 2024 und 2025.

Teilprojekt 1, Umbau und Sanierung neues Schulhaus

Das sogenannte neue Schulhaus mit Baujahr 1955 enthielt im ursprünglichen Zustand sieben Klassenzimmer, Schulleitungs- und Lehrerzimmer sowie kleinere Nebenräume. Das neue Raumprogramm sah fünf vollwertige Klassenzimmer mit dazu gehörenden Gruppenräumen, Büros für Schulleitung, Sekretariat und Logopädie, ein Projektraum mit Küche sowie ein Lehrerzimmer mit Arbeitsplätzen vor. Nebst der räumlichen Optimierung umfasste das Projekt auch die Erneuerung der Haustechnikinstallationen und die Sanierung des Daches. Der Einbau eines Lifts ermöglichte die hindernisfreie Erschliessung aller Geschosse. Zudem wurden die Fluchtwege vorschriftsgemäss in verschiedene Brandabschnitte unterteilt. Im Bereich der alten Turnhalle fand keine Umnutzung statt. Der gesamte Umbau erfolgte strikte nach dem Prinzip Design-to-Cost, um die Baukosten bestmöglich zu optimieren. Entsprechend wurden die baulichen Eingriffe möglichst tief und der Ausbaustandard einfach gehalten.

Teilprojekt 2, Sanierung / Ersatzneubau Schulhaus Papillon

Für die Planungsarbeiten wurde ein Gesamtplanungsmandat mit Architekt und Fachplanern öffentlich ausgeschrieben. Das Teilprojekt umfasste den teilweisen Neubau vom Schulhaus Papillon, weil die Lebensdauer erreicht war, sollte der bestehende Aufbau (Modulbau) rückgebaut und ersetzt werden. Die Variel-Module standen ursprünglich in Aarau, sie wurden 1995 nach Wolfwil gezügelt und über einem Tiefparterre in Ortbeton aufgestellt. Das massive Untergeschoss galt es zu erhalten und die Nutzungen während der Bauphase weiterzuführen. Die neue Aufstockung in Holzelementbauweise sollte daher unter Berücksichtigung von möglichst kurzen Einschränkungen des Untergeschosses erstellt werden.

Die Rampe ins Untergeschoss blieb als Zugang bestehen, die Erschliessung vom Erdgeschoss erfolgt neu auf der Ostseite mit Treppe und Lift. Südseitig ausgerichtet entstanden im Hochparterre drei neue Klassenzimmer, auf der Nordseite wurden die beiden Gruppenräume, ein Sitzungszimmer, das Büro für Hauswart und die Nebenräume angeordnet. Sämtliche Räume werden mittig durch einen grosszügigen Korridor, welcher auch die Garderoben beinhaltet, erschlossen. Zwecks interner Erschliessung der beiden Geschosse, wurde zusätzlich eine neue Treppe erstellt.

In Anlehnung an die Nebengebäude und unter Berücksichtigung einer späteren Aufstockung, wurde ein einfaches Satteldach mit Nagelbindern geplant, welches wieder verwendet werden kann. Das Rastermass wurde durch die bestehende Tragstruktur vorgegeben, die statischen Ertüchtigungen erlauben, das Gebäude zu einem späteren Zeitpunkt um ein Vollgeschoss aufzustocken. In Anlehnung an Design-to-Cost wurde der Neubau pragmatisch und zweckmässig, aber dennoch ansprechend gestaltet. Die Fassaden wurden mit Kanteln gegliedert und mit einer Holzschalung verkleidet, die Oberflächen mit einer Verwitterungslasur behandelt. Passend dazu wurden die Fenster und Storen natur eloxiert, sowie die ostseitig vorgelagerte Stahlkonstruktion feuerverzinkt ausgeführt. Die grosszügigen Vordächer schützen die Holzkonstruktion und bieten nordseitig einen gedeckten Aussenraum.

Im Innenausbau wurde das Farb- und Materialkonzept soweit möglich von der Sanierung des neuen Schulhauses übernommen. Die Farben sind bewusst neutral und zurückhaltend gewählt, die Räume werden durch die Ausstattung und den Schulbetrieb belebt. Die Struktur des Holzbaus ist auch im Innern klar ablesbar und gliedert die Räume. Der Bodenbelag aus Linoleum schafft eine natürliche Verbindung zwischen nachhaltigen Materialien und zeitgemässer Gestaltung, er ist bakteriostatisch, frei von Phthalaten und sorgt für ein gesundes Raumklima. Die Gipswände wurden gespachtelt, verputzt und mit Quarzsand gestrichen. Zur Verbesserung der Raumakustik wurden die Decken vollflächig Holzwolledämmplatten verkleidet. Die Installationen sind grösstenteils sichtbar montiert, die Kabelbahnen erlauben bei Bedarf das problemlose Nachrüsten von Elektrokabel.

Teilprojekt 3, Neubau Kindergarten

Der Bau des neuen Kindergartens ersetzte das Provisorium in der Gemeindeverwaltung. Für eine optimale Anbindung an das Schulareal, insbesondere zu den beiden bestehenden Kindergärten, wurde ein Standort nördlich der bestehenden Schulanlagen evaluiert. Das eingeschossige Volumen mit Satteldach wurde ebenerdig erschlossen und öffnet sich westseitig mit grossen Fenstern zum Aussenraum. Nebst den Räumlichkeiten für einen vollwertigen Kindergarten beinhaltet der Neubau die spezielle Förderung und ein Mehrzweckraum mit Küche für die gemeinsame Nutzung mit den beiden anderen Kindergärten. Das Gebäude wurde mit Ausnahme der massiven Bodenplatte komplett in Holzbauweise erstellt, was Innen wie Aussen auch in der Materialisierung ablesbar ist.

Die Umgebung bildet das verbindende Element über das gesamte Areal und alle Teilprojekte. Es wurde deshalb ein Gesamtkonzept erstellt, um allfällige Schnittstellen in den einzelnen Teilprojekten rechtzeitig zu erkennen und umzusetzen. Die Ausführung der Umgebung erfolgte ebenfalls etappiert und wurde durch einen Landschaftsarchitekten begleitet.